Düsseldorfer Startup revolutioniert Zementindustrie mit CO₂-negativer Technologie und 6,5 Mio. Euro Seed-Kapital
Mark BolnbachDüsseldorfer Startup revolutioniert Zementindustrie mit CO₂-negativer Technologie und 6,5 Mio. Euro Seed-Kapital
Düsseldorfer ClimateTech-Startup Co-reactive sichert 6,5 Millionen Euro Seed-Finanzierung für CO₂-negative Zementfinanzierung
Das in Düsseldorf ansässige ClimateTech-Startup Co-reactive hat 6,5 Millionen Euro an Seed-Kapital eingesammelt, um seine CO₂-negative Immobilienfinanzierung voranzutreiben. Das Unternehmen entwickelt ein Verfahren, das CO₂ in hochwertige Zementersatzstoffe umwandelt – und damit eine der größten industriellen Emissionsquellen angeht. Da es in Europa keine vergleichbaren Projekte gibt, ist dieser Ansatz in der Region einzigartig.
Die Technologie von Co-reactive mineralisiert CO₂, indem es mit natürlichen Mineralien kombiniert wird, und erzeugt so sogenannte sekundäre Zementhauptbestandteile (engl. supplementary cementitious materials, SCMs). Diese Ersatzstoffe reduzieren den Bedarf an Klinker in Zement und Beton, während sie gleichzeitig Festigkeit und Haltbarkeit verbessern. Die Lösung ist als Drop-in-Lösung konzipiert und lässt sich direkt in bestehende Produktionslinien integrieren, ohne dass größere Umbauten nötig sind.
Die Zementindustrie ist derzeit für etwa 8 % der globalen CO₂-Emissionen verantwortlich. Steigende CO₂-Preise könnten die Produktionskosten innerhalb eines Jahrzehnts um bis zu 100 % in die Höhe treiben – der Druck, Alternativen zu finden, wächst. Traditionelle Ersatzstoffe wie Flugasche und Hüttensand werden knapp, da Kohlekraftwerke zurückgebaut und die Stahlproduktion umgestellt wird.
Mit der neuen Finanzierung will Co-reactive seine Labor- und Pilotaktivitäten ausbauen. Eine Demonstrationsanlage mit einer Kapazität von 1.000 Tonnen pro Jahr soll im zweiten Quartal 2026 in Betrieb gehen und den Weg für größere Einrichtungen ebnen. Bis 2027 plant das Unternehmen den Bau industrieller Anlagen, die an Zement- und Stahlstandorten Zehntausende Tonnen CO₂ jährlich verarbeiten können.
Zu den Investoren zählen der High-Tech Gründerfonds (HTGF), die NRW.Bank, HBG Ventures, AFI Ventures und Evercurious VC sowie Business Angels aus der ClimateTech-Branche. Öffentliche Förderung erhält das Vorhaben über das Bundesprogramm für effiziente Industrie und Klimaschutz (BIK). Dr.-Ing. Andreas Bremen, Mitgründer und CEO von Co-reactive, betonte die Bedeutung der Expertise des Teams, um die Technologie von der Laborphase in den kontinuierlichen Industrieeinsatz zu überführen.
Die Finanzierung wird den Übergang vom Prototyp zur großtechnischen CO₂-Mineralisierung beschleunigen. Die ersten industriellen Anlagen sollen ab 2027 betrieben werden und Zementherstellern eine Möglichkeit bieten, Emissionen und Kosten zu senken. Da es in Europa keine konkurrierenden Projekte gibt, könnte der Ansatz des Startups eine Schlüsselrolle bei der Dekarbonisierung der Schwerindustrie spielen.