DAAD stoppt Arbeit in Russland – Wissenschaftler fliehen aus den USA nach Europa
Linus JesselDAAD stoppt Arbeit in Russland – Wissenschaftler fliehen aus den USA nach Europa
Deutscher Akademischer Austauschdienst (DAAD) stellt Arbeit in Russland ein, nachdem Moskau ihn als "unerwünschte Organisation" eingestuft hat
Die Schließung erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem Kürzungen US-amerikanischer Forschungsgelder immer mehr Wissenschaftler aus den USA nach Europa treiben und so die globalen akademischen Ströme neu ordnen.
Die Einstufung durch das russische Justizministerium zwingt den DAAD, sein Moskauer Büro sowie das Deutsche Haus für Forschung und Innovation zu schließen. Russischen Bürgern, die mit der Organisation in Kontakt treten, drohen nun Strafverfolgung nach lokalem Recht.
Die Entwicklung ist Teil einer größeren Störung der internationalen Forschungszusammenarbeit. In den USA führten die Wiederwahl Donald Trumps 2024 und die darauffolgenden drastischen Kürzungen von Forschungsgeldern – insbesondere in der Klimawissenschaft – zu massiven Einschnitten. Bis Mitte 2025 strichen Behörden wie die National Science Foundation (NSF) und die National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) ihre Fördermittel um 30 Prozent. Eliteuniversitäten wie Harvard, Stanford und Princeton verzeichneten bis Anfang 2026 einen Rückgang der Drittmittel in den Bereichen Klima und Diversität um 25 bis 40 Prozent, da die Prioritäten hin zu fossilen Energien und Klimaskepsis verschoben wurden.
Während die Möglichkeiten in den USA schrumpfen, steigt das Interesse an Deutschland stark an. Die Bewerbungen US-amerikanischer Studierender für DAAD-Stipendien für Masterstudiengänge haben sich mehr als verdoppelt. Gleichzeitig verzeichnen deutsche Einrichtungen wie die Alexander-von-Humboldt-Stiftung und die Max-Planck-Gesellschaft eine Zunahme an Anfragen von US-Wissenschaftlern. Umgekehrt lässt bei deutschen Studierenden die Begeisterung für Austauschprogramme in den USA nach – die Nachfrage sank um etwa zehn Prozent.
Die Einstellung der DAAD-Aktivitäten in Russland bedeutet einen Rückschlag für den akademischen Austausch in der Region. Angesichts der US-Förderkürzungen, die Forscher nach Europa lenken, verschiebt sich das Gleichgewicht der globalen wissenschaftlichen Zusammenarbeit weiter. Deutsche Institutionen sehen sich nun mit einer wachsenden Nachfrage aus den USA konfrontiert, während die Beziehungen zu Russland zunehmend belastet sind.