20 March 2026, 18:12

Christian Ulmen: Wie seine TV-Vergangenheit und neue Vorwürfe die Debatte entfachen

Schwarze und weiße Zeitschriftentitelbild mit einem Mann im Anzug mit ernstem Gesichtsausdruck und einer Frau mit leichtem Grinsen, betitelt 'Humoristische Liste' in fetter weißer Schrift.

Christian Ulmen: Wie seine TV-Vergangenheit und neue Vorwürfe die Debatte entfachen

Christian Ulmen: Vorwürfe der Ex-Frau werfen neue Fragen zu seinem umstrittenen TV-Erbe auf

Der deutsche Komiker und Schauspieler Christian Ulmen sieht sich schwerwiegenden Vorwürfen seiner Ex-Frau, der Moderatorin Collien Fernandes, ausgesetzt. Sie wirft ihm verstörendes Verhalten vor, darunter die Vortäuschung ihrer Identität im Netz sowie die Verbreitung expliziter Inhalte ohne ihre Zustimmung. Die Anschuldigungen bringen die Debatte über Ulmens umstrittene TV-Vergangenheit wieder in Schwung – eine Zeit, in der seine Auftritte oft die Grenze zwischen Satire und Frauenfeindlichkeit verwischten.

Viele erinnern sich nun an Formate wie Mein neuer Freund oder Wer will meine Freundin vögeln?, in denen Frauen systematisch herabgewürdigt wurden. Fernandes' Aussagen lösen eine breitere Auseinandersetzung aus: Wie konnte solches Verhalten in der Unterhaltungsbranche – besonders in den 2000er- und frühen 2010er-Jahren – als normal gelten?

In den mittleren 2000ern wurde Ulmen durch seine Rolle als "schlimmster Freund der Welt" in der ProSieben-Sendung Mein neuer Freund bekannt. Woche für Woche schlüpfte er in neue, oft grausame oder groteske Charaktere – mal tyrannisch, mal einfach nur absurd. Die Frauen in der Show mussten sich entscheiden: die Demütigungen für einen Geldpreis ertragen oder gehen. Besonders prägend war die Figur des snobistischen Adligen Alexander von Eich, der seine Freundin mit "Franziskarrrr!" anbrüllte und mit einem Stock herumfuchtelte. Das Format inszenierte emotionale Manipulation als Unterhaltung, während Ulmen unter dem Deckmantel der Komödie Grenzen austestete.

2013 moderierte er dann Wer will meine Freundin vögeln? auf Tele 5 – eine Show, in der männliche Kandidaten um den Titel "heißeste Freundin" wetteiferten. Die Aufgaben waren durchgehend frauenverachtend und reduzierten Frauen auf Objekte männlicher Konkurrenz. Ulmen spielte den schmierigen Moderator Uwe Wöllner mit schiefem Gebiss und zementierte damit seinen Ruf für "grenzwertigen" Humor, der oft in purem Zynismus kippte. Damals winkten manche ab: "Das ist doch nur Satire!" Kritiker hingegen sahen darin schlicht Ausbeutung.

Doch Fernandes' Vorwürfe gehen weit über das Fernsehen hinaus. Sie behauptet, Ulmen habe unter ihrem Namen gefälschte Online-Profile angelegt, pornografisches Material verbreitet, in ihrem Namen Telefonssex geführt und sogar unter ihrer Identität an Online-Dating teilgenommen. Seine Handlungen bezeichnet sie als "virtuelle Vergewaltigung" – Teil eines Musters aus Kontrolle und Erniedrigung. Ihre Schilderungen finden breiten Anklang und erinnern an die Worte der Missbrauchsüberlebenden Gisèle Pelicot: "Die Scham muss die Seite wechseln."

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Die Enthüllungen führen auch bei denen zu Selbstreflexion, die Fernandes einst hart verurteilten. Einige, darunter die Autorin eines viel geteilten Artikels, geben heute zu, sie damals als oberflächlich abgestempelt zu haben – nur weil sie mit Ulmen zusammen war. Heute bedauern sie diese voreiligen Schlüsse und unterstützen ihren Schritt an die Öffentlichkeit.

Fernandes' Anschuldigungen reihen sich ein in eine wachsende Zahl von Fällen, in denen Frauen Männer öffentlich für Vertrauensbrüche und Entmündigung benennen. Ulmens TV-Vergangenheit, in der die Herabwürdigung von Frauen als "Comedy" verkauft wurde, steht nun in neuem Licht da. Die Diskussion geht über den Einzelfall hinaus: Sie zeigt, wie die Unterhaltungsindustrie jahrzehntelang schädliches Verhalten – auf und hinter der Kamera – toleriert hat.

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